Was sind eigentlich die MDGs?

Die Millenium Development Goals (Milleniumsentwicklungsziele, MDGs) sind eine Liste von Zielen, die von allen Regierungschefs im Jahre 2000 beschlossen wurden, um bis 2015 die Armut abzuschaffen. Diese acht Ziele reichen von der Halbierung extremer Armut über ein Ende der Verbreitung von HIV/AIDS bis hin zu einer Grundschulbildung für alle Kinder. Sie werden von 21 konkreten Zielsetzungen und 60 Indikatoren begleitet.

Leider wurde Behinderung nirgends erwähnt. Die Folge ist, dass Menschen mit Behinderungen oft aus Entwicklungsprogrammen ausgeschlossen bleiben. Oft heißt es, dass Inklusion teurer und komplizierter wäre oder dafür spezielles Fachwissen nötig wäre. Dabei zeigen viele Beispiele, dass es sehr wohl möglich und kosteneffizient ist, Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen zu inkludieren.

Exklusion bedeutet nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte, sie ist auch kontraproduktiv. Schließlich haben 18 % der Bevölkerung in den armen Teilen der Welt eine Behinderung: Bei der  Abschaffung der Armut darf nicht einer von fünf Menschen ignoriert werden!

Behinderung sollte in allen Entwicklungsinitiativen ein Querschnittsthema sein. Menschen mit Behinderungen sollen auf allen Ebenen der Programme zur Erreichung der MDGs und auch in allen Programmen nach 2015 miteinbezogen werden.

 

Was haben die MDGs mit Menschen mit Behinderungen zu tun?

 

1. Ziel: Die Abschaffung von extremer Armut und Hunger

  • 80 % der Menschen mit Behinderungen leben in Entwicklungsländern
  • Behinderungen kommen in einkommensschwächeren Ländern häufiger vor (18 % haben eine Behinderung) als in einkommensstärkeren Ländern (11,8 %).
  • 50 % der Behinderungen könnten mit adäquater medizinischer Versorgung und Nahrung verhindert werden

 

2. Ziel: Grundschulbildung für alle Kinder

  • Mehr als 90 % aller Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu Schulen, Therapien und unterstützenden Maßnahmen  
  • Ein Drittel der Kinder, die in Entwicklungsländern keine Schule besuchen, sind Kinder mit Behinderungen
    • Ohne konkrete Pläne, Behinderung in die MDGs einzubeziehen, ist dieses zweite Ziel nicht zu erreichen.

3. Ziel: Gleichberechtigung fördern und die Rolle der Frau stärken

 

  • Frauen mit Behinderungen sind nicht nur ärmer, sondern unterliegen auch einem dreimal höheren Risiko, Opfer von physischer und sexueller Gewalt zu werden
  • Frauen mit Behinderungen werden in Entwicklungsländern aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Behinderung, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihrer Lebensumstände diskriminiert

 

4. Ziel: Reduzierung der Kindersterblichkeit

  • Sauerstoffmangel bei Neugeborenen führt bei einer Million Kindern zu Behinderungen wie Zerebralparese und Lernschwierigkeiten
  • Jede Minute erblindet ein Kind, 60 % der Kinder sterben innerhalb eines Jahres nach ihrer Erblindung

 

5. Ziel: Gesundheitsversorgung für Mütter verbessern

  • 20 Millionen Frauen bekommen wegen Komplikationen in der Schwangerschaft oder während der Geburt Behinderungen oder chronische Krankheiten
  • Unzureichende medizinische Versorgung während der Schwangerschaft führt zu Geburtsfehlern und Behinderungen bei Frauen und Kindern

 

6. Ziel: Die Bekämpfung von HIV/AIDS und anderen Krankheiten

  • Menschen mit Behinderungen sind besonders anfällig für eine HIV-Infektion, da sie oft von Screening-Programmen und Informationskampagnen ausgeschlossen sind
  • HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose sind häufige Ursachen von Behinderungen
  • Ansteckende Krankheiten wie Diarrhö und Lepra können zu Behinderungen  führen

 

7. Ziel: Umweltschutz und Nachhaltigkeit

  • Ein Drittel aller Krankheiten, die zu Behinderungen führen, werden von Umweltfaktoren verursacht
  • Trachom ist eine häufige Ursache für Erblindung und könnte durch den Zugang zu sauberem Trinkwasser verhindert werden   
  • 84 Millionen Menschen sind von Trachom betroffen. 8 Millionen davon sind sehbehindert und 40 Millionen gefährdet zu erblinden.

 

8. Ziel: Eine globale Partnerschaft für Entwicklung

  • Nachhaltige Entwicklung kann nur erreicht werden, wenn alle Mitglieder an der Gemeinschaft teilhaben können – auch Menschen mit Behinderungen 
  • Damit die MDGs erreicht werden können müssen alle Programme der Entwicklungszusammenarbeit Menschen mit Behinderungen einbeziehen  und ihre Rechte thematisieren